Ein Monolog über Fehler in der Bildung

Letzte Woche hat World of VR an einer Studie teilgenommen, die darauf abzielt herauszufinden, was die Politik besser machen kann, bei der Unterstützung von Initiativen und Unternehmen, die etwas im Bildungssektor verbessern möchten.


Das führte mich dazu über diese Fragestellung nachzudenken. Meine Gedanken dazu haben sich schnell überschlagen und mir sind erstmal eine Menge Fehler eingefallen, die die Entwicklung des Bildungssektors bremsen.


Wo soll ich da bloß anfangen?


Viele denken da wohl zuallererst an die Politik, doch ich bin der Meinung, dass es ein Zusammenspiel aus vielen Bereichen ist, die dafür sorgen den Bildungssektor zu verlangsamen…


Zunächst einmal - bescheuert aber wahr - wir haben noch nicht begriffen, dass es eine Werteverschiebung gab, seit dem Untergang des preußischen Staates. Die preußischen Tugenden befahlen


“Befehl und Gehorsam“☝️,


doch es geht nicht mehr um einreihen und gehorchen. Wir leben mittlerweile in einer Demokratie die andere Werte und Lebensarten hat. Wir unterrichten allerdings immer noch wie zu Zeiten des preußischen Staates. Eine Studie der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, fand 2018 bei einer Befragung heraus, dass nahezu alle 2.000 Befragten als wichtigsten persönlichen Wert die Freiheit nannten. Freiheit steht nur leider konträr zum Frontalunterricht.


Womit ich den Zeigefinger nun auf die Universitäten richten möchte. In der Universität sitzen die Lehrer von morgen in der


Vorlesung mit bis zu 400 Kommilitonen in einem Hörsaal


und hören dem allwissenden Professor vorne im Raum zu. Der Witz dabei: Der Professor bringt ihnen alternative Unterrichtsmethoden bei, die nichts mehr mit dem Frontalunterricht zu tun haben sollen, denn mit Frontalunterricht kann differenziertes und individualisiertes Lernen nicht gefördert werden, laut der Potsdamer Professorin für Empirische Unterrichtsforschung, Miriam Vock. Und da sich die Vielfalt im Klassenzimmer (hier wieder anknüpfend an die Werteverschiebung seit des Verfalls des preußischen Staates), nach Aussagen von Vock, deutlich erhöht hat, sei es wichtiger denn je alternative Methoden zu nutzen, um dem individuellen Schüler das Gefühl zu geben, gesehen zu werden. 👀


Denn auch laut der Professorin Dr. Alexandra Habicher vom Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln, kommt es “jedem Lernenden zugute wenn er individuellere Materialien zur Verfügung hat” (Interview vom 31. Januar 2019). Diese Wissensvermittlung von “alternativen Methoden” in der Universität geschieht übrigens mit der Methode Frontalunterricht. Den Witz an dieser Stelle zu erklären ist denke ich überflüssig…😉


Um mir noch mehr die Finger zu verbrennen 🔥, mit dem Betiteln von Schuldigen, gehen wir jetzt mal davon aus, dass die Universität es besser macht als oben beschrieben. Dass die Universität in völliger Freiheit den Studierenden außergewöhnliche modernste Methoden vermittelt, mit denen sie später das Wissen bei den Schülern langfristig im Gehirn verankern können. Die frischen jungen Lehrer aus der Universität kommen also dann nach ihrem Abschluss in unsere Schulen. Das erste mal vor einer Klasse dürfen Sie nämlich übrigens dann im 5. Semester stehen. Blöd wenn ihnen dann nach knapp 3 Jahren Studium auffällt, dass Unterrichten doch nichts für sie ist… 🤦‍
Aber gut, weg von der Schwarzmalerei: Wir gehen vom Besten aus.


Die motivierten jungen Lehrer stellen sich völlig aufgeregt das erste Mal vor die Klasse und unterrichten. Wenn ich schreibe “völlig aufgeregt”, dann möchte ich auf keinen Fall mit dem Finger auf sie zeigen! Ich selber durfte vor Kurzem die Rolle des Lehrers einnehmen und stand das erste mal völlig aufgeregt vor einer 10. Klasse. Von daher: Die frischen neuen Lehrer sind bei mir nicht die Schuldigen. Aber die Erfahrenen aus dem Kollegium müssen sie an die Hand nehmen und ihnen zeigen wie man moderne Methoden in der Praxis einsetzen kann. Und an der Stelle möchte ich die Lehrerfortbildungen reinschmeißen. Meiner Meinung nach ist es richtig wenn Lehrer dazu verpflichtet sind an Fortbildungen teilzunehmen, denn nur so können sie auch neue Methoden kennenlernen. Die Bereitschaft allerdings eine Fortbildung zu digitalen Medien zu absolvieren ist nicht gerade besonders vielversprechend. Laut einer Statistik von Bitkom haben gerade mal 26% von 169 Befragten schon mehrfach an einer Weiterbildungen für den Einsatz neuer Medien teilgenommen.


Heißt das also, wenn nun Geld vom Bund für die Ausstattung digitaler Medien für den Schulunterricht kommt, dass nur 26% der Lehrer mit den digitalen Endgeräten umgehen können?


Was ist mit dem Rest des Kollegiums? Angst vor der Nutzung digitaler Endgeräte, führt nämlich definitiv zu Nichtnutzen der digitalen Geräte, was wiederum zu alten Mustern führt: Frontalunterricht.
Ein Teufelskreis also…


Doch ich möchte keinenfalls sagen, dass es keine Lehrer gibt, die etwas verändern wollen. Die Lehrer sind nur meist (so wie auch ich) deprimiert und erschüttert darüber, dass kaum eine Veränderung durchgebracht werden kann.


Was könnte man also tun? Mein Kollege hat etwas äußerst sinnvolles geäußert, während der Teilnahme an der Studie:


"Gibt de Schulen Autonomität!"


Ja. Die Schulen sollten selbst entscheiden, was Sie für richtig halten oder nicht. Doch meist haben Sie leider Angst davor von dem Schulministerium eine Verwarnung zu bekommen - sie hätten was falsch gemacht. Ein wenig Vertrauen sollte meiner Meinung nach also nicht schaden...


Außerdem sollte die Politik den Unternehmen, die etwas in der Bildung bewirke wollen, aufhören damit Steine in den Weg zu legen.
Wir brauchen auch etwas Vertrauen! Unser Interesse liegt ebenfalls darin die Bildungslandschaft zu modernisieren und zu verbessern!


Es fällt einem schwer auf den Punkt zu kommen, wenn man so intensiv mit den Problemen der Bildung konfrontiert wird, doch mit gegenseitigem Vertrauen können wir eine Veränderung, besser gesagt eine Verbesserung, hoffentlich anstreben.


Von daher erhoffe ich mir und der Bildung etwas Vertrauen.


Gegenseitiges Vertrauen von allen Mitgestaltern der Bildung. 😉